Router-Zwang: Router mit geheimen Zugangsdaten

Router-Zwang: DSL-Provider dürfen die Zugangsdaten vorenthalten

d-link-router-dir-300Wer z.B. eine eigene Fritz!Box besitzt und seinen Internetzugang z.B. bei Vodafone oder O2 anmeldet, kann eine Überraschung erleben. Die eigene Fritz!Box funktioniert nicht, weil der Anbieter dem Kunden die dafür nötigen Zugangsdaten nicht mitteilt. An diesem Anschluss ist dann nur die vom Anbieter ausgelieferte und vorkonfigurierte Hardware verwendbar. 🙁

Router-Zwang: Gesetzlich erlaubt von der Bundesnetzagentur

Im Herbst 2012 kam die Bundesnetzagentur zu dem Ergebnis, dass es keine „rechtliche Handhabe gegen die Kopplung des Vertrags mit einem bestimmten Router des Netzbetreibers“ gibt. Der Netzbetreiber muss zwar den Anschluss und den Betrieb jedes zulässigen Endgerätes an deren Schnittstelle gestatten, jedoch ist nicht geregelt welche konkrete Schnittstelle das Netz des Internetbetreibes mit dem Heimnetz verbindet. Diese Entscheidung darf also vom Anbieter getroffen werden. Zum gleichen rechtlichen Ergebnis kommt auch die EU.

Router-Zwang: Provider darf entscheiden

Der Provider darf entscheiden, ob der Router Endgerät oder Netzbestandteil ist. Ist der Router Endgerät, kann er vom Kunden gegen ein beliebiges anderes Gerät ausgetauscht werden, da die Zugangsdaten zum DSL-Netz im Router frei eingegeben werden können/müssen – es besetht kein Routerzwang. Definiert der Provider jedoch, dass es sich beim Router um einen „Netzbestandteil“ handelt, dann ist der Router kein Endgerät und der Provider ist nicht verpflichtet, die Zugangsdaten zum DSL-Netz an den Kunden auszuhändigen. Hier greift dann der Router-Zwang!

Router-Zwang: Provider muss die Zugangsdaten nicht mitteilen

So lange der Internet-Provider mit seiner ausgelieferten Hardware die vertraglich zugesicherten Dienste und Funktionen bereitstellt, ist er also nicht verpflichtet dem Kunden die Nutzung eines alternativen Gerätes zu ermöglichen!

Router-Zwang: Zwang zu teurerem Tarif?

Aktuell bekommt man z.B. von Vodafone und O2 lediglich eine „Telefon-PIN“ bzw. einen „Modem-Installationscode“. Diesen gibt man in die mitgelieferte Hardware ein, damit dieser die Kunden-Vertragsdaten von Server des Providers abrufen kann und so den Anschluss konfigurieren kann. Da es sich aber nicht um die vollständigen Benutzerdaten handelt, ist dies eben NUR mit dem mitgelieferten Router möglich, der Anschluss eines eigenen Gerätes ist so nicht mögllich!
Will man dies tun, muss ein teurerer Tarif des Anbieters gewählt werden. Wählt man diesen, sollte man sich die Verfügbarkeit von Benutzernamen UND Kennwort unbedingt schriftlich zusichern lassen!

Router-Zwang: Warum machen immer mehr Provider das?

Ganz klar: Support-Kosten sparen. Die manuelle Konfiguration eines Fremdgerätes ist fehleranfälliger als die automatische Konfiguration über einen Installationscode. Also wenden sich häufiger Anwender eines Fremdgerätes bei der Hotline des Providers, wenn etwas nicht funktioniert. In den eigenen Geräten haben die Provider hauseigene Diagnose-Schnittstellen zur Fernwartung eingerichtet. Bei Fremdgeräten geht eine solche Fernwartung nicht.

Router-Zwang: Ganz einfache Lösung!

Der Provider muss dem Kunden neben dem Installationscode nur die Zugangsdaten zusätzlich mitteilen. Ausserdem der vertragliche Hinweis, dass keinerlei Support für Fremdgeräte geleistet wird.
So kann der Kunde wählen, ob er das mitgelieferte Gerät des Providers mit dem Installationcode und Support nutzen möchte ODER selbst sein eigenes Gerät einrichten will. Genau so macht es z.B. 1&1.

Router-Zwang: Was geht dann nicht?

Ins Internet gehen und Telefonieren geht auch mit dem Router-Zwang. Das sind ja die grundlegenden Funktionen des Anschlusses. Aber kann man mit dem mitgelieferten Gerät auch:

  • eine Festplatte, USB-Stick, Scanner, Drucker am eingebauten USB-Anschluss anschliessen, um diese Geräte gemeinsam im Heimnetz zu nutzen?
  • VoiceOverIP-Dienste eines beliebigen anderen Anbieters zur Telefonie benutzen?
  • Leitungsqualität, DSL-Geschwindigkeit des Anschlusses über die Firmware einsehen?
  • Selbst wählen, welcher Kanal, welche Verschlüsselung, welche Geschwindigkeit für das eigene WLAN verwendet werden soll?
  • Das Gerät aus der Ferne steuern?
  • Portfreigaben einrichten um z.B. auf eine Überwachungskamera im Heimnetz von unterwegs per Smartphone zuzugreifen? Babyvideo?
  • eine feste IP-Adresse verwenden?
  • eigene Cloud-Funktionen einrichten?

All diese Dinge sind längst nicht mit jedem Gerät der Provider möglich. Meist werden nur absolute Grundfunktionen angeboten. Wer also nur EINE dieser aufgelisteten Funktionen benötigt, sollte sich vor Vertragsabschluss genau informieren was geht und was nicht!

Router-Zwang: Schön reden der Provider

Die Provider argumentieren natürlich positiv für den Kunden. Da heisst es z.B.:

  • unsere Endgeräte sind optimal auf unser Netz konfiguriert
  • bei der Benutzung eines Fremdgerätes können wir keine Garantie für optimale Funktion übernehmen
  • unsere Endgeräte garantieren die Einfachheit der Installation
  • sollte ein Kunde die Herausgabe der Benutzerdaten plausibel begründen, prüfen wir das im Einzelfall individuell
  • Fremdgeräte können Verschlechterung der Leistung zur Folge haben

(und lauter so ein Müll)

Router-Zwang: Für Profis umgehbar

Es gibt viele Anleitungen im Netz wie die Zugangsdaten aus den Datenströmen auslesbar sind. Dies ist für den Laien aber kaum nachvollziehbar und ändert sich auch je nach ausgeliefertem Gerät und Firmwareversion.

Router-Zwang: Einen transparenten Anbieter wählen

Die Telekom und 1&1 z.B. liefern allen Kunden in allen Tarifen die vollständigen Benutzerdaten! Also besser gleich auf einen transparenten Anbieter setzen! Die Preisunterschiede sind ohnehin sehr gering. 🙂

Autor des Artikels

Computer Complete – Wiesbaden, Mainz, Frankfurt – Jürgen Hamm
IT-Dienstleistungen: Softwareentwicklung, Webdesign, PC-Service, Netzwerke, Kommunikation

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